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Hilfe für PatientInnen mit thrombosierten Gefäßen - neues Verfahren im AKH Wien bzw. Med Uni Wien

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(Wien, 04-03-2020) Österreichweit befinden sich rund 5.000 Menschen dauerhaft in Dialyse. Durch das wiederkehrende Setzen eines Katheters und den damit verbundenen Verletzungen der Gefäßwände kommt es bei diesen PatientInnen häufig zu thrombotischen Verschlüssen der Zentralvenen. Das erschwert das Setzen eines neuen Katheters maßgeblich. Benötigen DialysepatientInnen mit einem Zentralvenenverschluss einen neuen Katheter, muss rasch gehandelt werden. Für solche Fälle wurde ein Verfahren entwickelt, das im AKH Wien bzw. an der MedUni Wien vor drei Jahren weltweit erstmals angewandt wurde. Mittlerweile wurden 50 PatientInnen auf diese Weise behandelt, womit sich das AKH Wien und die MedUni Wien zu einem internationalen Kompetenzzentrum entwickelt haben.

Das Vorgehen folgt einer sogenannten Inside-Out-Methode. Zunächst wird ein Führungsdraht in die rechte Beinvene eingeführt und durch die untere Hohlvene und den rechten Herzvorhof in die obere Hohlvene bis zum Gefäßverschluss vorgeschoben. Dieser Pfad ist vorteilhaft, weil er eine gerade Linie darstellt. Dem Führungsdraht folgt dann ein eigens entwickeltes Gerät zum Durchstoßen des Venenverschlusses. Ist der Verschluss durchdrungen, wird das Gerät im Körper weiter bis über das Schlüsselbein geschoben. Mit Hilfe eines auf der Haut platzierten Metall-Zielringes und eines Röntgen-C-Bogens bohrt sich an der richtigen Stelle das Ende des Geräts von innen nach außen. An dem Ende des Geräts wird eine sogenannte Split-Kanüle fixiert und mit dem Gerät bis in den rechten Herzvorhof gezogen. Über die Split-Kanüle wird schließlich der Katheter eingeführt und die Kanüle entfernt.

Die Ergebnisse der bisherigen Behandlungen wurden im Rahmen einer Multi-Center-Studie, an der sich neben dem AKH Wien bzw. der MedUni Wien auch die University of Oxford und die Universität zu Köln beteiligten, wissenschaftlich dokumentiert und im renommierten Fachmagazin „American Journal of Kidney Diseases“ veröffentlicht. „Das neue Verfahren hat gegenüber anderen wie der scharfen Rekanalisation den Vorteil, dass es standardisiert anwendbar und unserer Erfahrung nach noch sicherer ist“, erklärt Gürkan Sengölge, Nephrologe im AKH Wien bzw. an der MedUni Wien und Leiter der Multi-Center-Studie. „Darüber hinaus ist der Erfolg unabhängig davon, auf welcher Höhe sich der Verschluss befindet, solange der Zugang vom Herzvorhof in die obere Hohlvene gewährleistet ist. Mit dieser Methode helfen wir betroffenen Patientinnen und Patienten aus ganz Österreich im Bedarfsfall schnell und effektiv.“

Weitere Informationen zu diesem Thema bietet das „3. Österreichische Symposium über Dialysezugänge und zentralvenöse Katheter“ am 27. und 28. März 2020 in Wien. Während der erste Tag Vorträgen gewidmet ist, können am zweiten Tag praktische Workshops besucht werden, darunter auch einer zur neuen Inside-Out-Methode. Näheres zum Symposium unter: www.dialysezugang.at

Studie
A Novel Inside-out Access Approach for Hemodialysis Catheter Placement in Patients With Thoracic Central Venous Occlusion; Roman Reindl-Schwaighofer, Vladimir Matoussevitch, Wolfgang Winnicki, Egan Kalmykov, James Gilbert, Wolfgang Matzek, Gürkan Sengölge; American Journal of Kidney Diseases; DOI: https://doi.org/10.1053/j.ajkd.2019.08.024