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Igor Grabovac koordiniert EU-Projekt zur Förderung der Gleichstellung von LGBTI+ -Jugendlichen beim Eintritt in den Arbeitsmarkt

Untersuchung der Auswirkungen von Diskriminierung auf die körperliche und geistige Gesundheit
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(Wien, 12-06-2020) Igor Grabovac, Assistenzarzt für Public Health an der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin der MedUni Wien, koordiniert ein internationales Konsortium, das sich der Förderung der Gleichstellung LGBTI+-Jugendlicher beim Eintritt in den Arbeitsmarkt und der Untersuchung der Auswirkungen von Diskriminierung auf die Gesundheit widmet. Das WE-Projekt („Promoting Work-Based Equality for LGBT+Q+ Youth – WE Project“) ist durch den EU-Call “Call for proposals to promote the effective implementation of the principle of non-discrimination” ko-finanziert und mit 250.000 Euro dotiert.

Trotz gesellschaftlicher Fortschritte, die zu einer erhöhten Sichtbarkeit von Lesbischen, Gay, Bisexuellen, Trans*- und Intersexuellen (LGBTI +) Menschen führten, scheinen Diskriminierung und Stigmatisierung in der EU nach wie vor weit verbreitet zu sein. Diskriminierung am Arbeitsplatz ist besonders problematisch, da heteronormative Arbeitsbedingungen dazu beitragen, die soziale Marginalisierung von LGBTI+ Arbeitskräften fortzusetzen. In einer kürzlich durchgeführten Studie in Österreich wurde festgestellt, dass mehr als 50% der LGBTIQ Personen Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz hatten, und ein Drittel der Trans*-Personen die Beschäftigung aufgrund ihrer Geschlechtsidentität verweigert wurde.

Die Forschung hat gezeigt, dass Diskriminierung und Stigmatisierung am Arbeitsplatz mit einem höheren Grad an chronischem Stress verbunden sind, was zu einer schlechteren geistigen (höhere Inzidenz von Depressionen und Angststörung) und körperlichen Gesundheit (höhere Inzidenz von Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Erkrankungen, höhere Infektions- und Krebsraten, Übergewicht, Schlafstörungen, usw.) führt, sowie zum Produktivitätsverlust und mehr Fehlzeiten. Arbeitsplätze bieten jedoch auch die Möglichkeit, Arbeitnehmer*innen auszubilden und Vielfalt und Inklusion zu fördern. Junge Arbeitnehmer*innen, insbesondere jene aus der LGBTI+ Community, sind tendenziell anfälliger für diskriminierendes Verhalten, dies ist vor allem durch interne Hierarchien und der fehlenden Möglichkeit sich diesbezüglich zu äußern begründet.

Über Jugendliche beim Eintritt in den Arbeitsmarkt
Mit fast 6 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren, die arbeitslos sind, und weiteren 33 Millionen, die in der EU wirtschaftlich inaktiv sind, hat die Europäische Kommission erklärt, dass die Zeit des Eintritts in den Arbeitsmarkt und die Suche nach einer festen Beschäftigung junger Arbeitnehmer*innen oberste Priorität hat. Darüber hinaus ist in der Literatur bekannt, dass junge Arbeitnehmer*innen, und jene aus Minderheitengruppen in ihrem Arbeitsumfeld am stärksten unter sozialem Druck leiden. Außerdem deuten Untersuchungen darauf hin, dass junge Arbeitnehmer*innen Probleme am Arbeitsplatz selten melden, und selten um Hilfe bitten. Davon sind am stärksten junge LGBTI+ Arbeitnehmer*innen betroffen. Dies liegt daran, dass junge Arbeitnehmer*innen einerseits nicht so gut über ihre Rechte informiert sind,  andererseits viele andere junge Menschen kennen, die die strukturellen Determinanten ihrer Diskriminierung und Marginalisierung nicht wahrnehmen oder aktiv ignorieren. Demzufolge werden schlechte Erfahrungen verinnerlicht, und es wird versucht, alleine damit umzugehen.

Zum WE-Projekt
Die Erfahrungen junger LGBTI+ -Personen am Arbeitsplatz standen weder im Mittelpunkt der Forschung, noch wurde untersucht, wie diese die geistige und körperliche Gesundheit beeinflussen. Darüber hinaus ist wenig über spezifische Maßnahmen bekannt, die ergriffen werden, um den Übergang junger LGBTI+ -Personen vom Bildungssystem in die Arbeitswelt zu gewährleisten. Das WE Projekt wird eine dreigleisige Strategie verfolgen: die erste wendet sich an junge LGBTI+ -Arbeitnehmer*innen, die zweite an Fachkräfte, die mit jungen Arbeitnehmern arbeiten (z. B. Berufsschullehrer*innen, Psycholog*innen, Mitglieder des Arbeitsrats, Arbeitsmediziner*innen), und die dritte an politische Entscheidungsträger sowie politische und soziale Interessensgruppen. Im Rahmen vom WE PROJEKT wird auch ein interaktives Toolkit erstellt, um die Verbreitung bereits bewährter Ansätze zur Beseitigung von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität am Arbeitsplatz zu erleichtern.
Das Konsortium wird von der Medizinischen Universität Wien koordiniert und umfasst sowohl akademische Einrichtungen, als auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die im Bereich Menschenrechte und Vielfalt tätig sind, dazu zählen: Universität Valencia (Spanien), Forum für Bildungsfreiheit (Kroatien), Vereinigung gegen AIDS - JAZAS (Serbien), Anglia Ruskin University (UK), SORA-Institut (Österreich) und Comenius Universität in Bratislava (Slowakei).

Zur Person
Igor Grabovac ist Assistenzarzt für Public Health an der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin. Seine Forschung konzentriert sich auf das Gesundheitsverhalten und die Änderung des Gesundheitsverhaltens marginalisierter Gesellschaftsgruppen. Derzeit ist er Koordinator der Kompetenzgruppe für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt der Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH), Mitglied des Steering Committee der Sektion für Gesundheit von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten der European Assocation for Public Health (EUPHA) und Forschungsleiter für das Europäische Netzwerk von AssistenzärztInnen in Public Health (EuroNet MRPH). Igor Grabovac unterrichtet in Block 6, FBL und Ringvorlesungen und wird ab dem akademischen Jahr 2020/2021 als Blockkoordinator für Block 22/23 - Public Health fungieren.


Links
G ÖGPH - oeph.at/kompetenzgruppe-sexuelle-und-geschlechtliche-vielfalt
Section EUPHA - eupha.org/sexual-and-gender-minority-health
EURONET MRPH - euronetmrph.org
Diversity mainstreaming MedUni Wien - www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/organisation/dienstleistungseinrichtungen-stabstellen/gender-mainstreaming-und-diversity/
Regenbogengruppe MedUni Wien/AKH Wien - regenbogengruppe.meduniwien.ac.at