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MedUni Wien trauert um Gerhard Giebisch

Herausragender Nephrologe verstarb im Alter von 93 Jahren
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Gerhard Giebisch

(Wien, 20-04-2020) Am 6. April verstarb Prof. Dr. Gerhard Giebisch in Branford, Connecticut im Alter von 93 Jahren. Mit ihm verliert die internationale Nephrologische Gemeinschaft eines ihrer herausragendsten Mitglieder, einen besonderen Wissenschaftler, vor allem aber einen außergewöhnlichen Menschen und Humanisten, der für viele von uns Vorbild und liebevoller Freund war. Wir trauern mit seinen beiden Kindern, ihren Familien und seinen Enkelkindern, seiner Familie, die ihm immer, „a major source of his strength“ war. „They provided the grounding, security and love that made it all possible“, wie er es einst formulierte.

Gerhard Giebisch, wurde 1927 in Wien geboren und promovierte an der Universität Wien. Seine medizinische Laufbahn begann er 1951 in Wien am Institut für Pharmakologie (Prof. Brücke). Ab 1952 arbeitete er in den USA zuerst im Rahmen eines Internship in Milwaukee, im Anschluss daran als Fellow am Department of Physiology an der Cornell University in New York. 1953–1954 verbrachte er bei Dr. Robert Pitts, einem der damals führenden Nierenphysiologen, eine Zeit, die seinen weiteren Lebensweg prägen sollte. Nach einem Jahr in Wien nahm er 1957 das Angebot an, als Assistant Professor of Physiology an das Cornell University Medical College zurückzukehren. 1960 wurde er an der Cornell University zum Associate Professor, 1965 zum Full Professor ernannt.
Seine Persönlichkeit war ausschlaggebend dafür, dass er 1968 von Yale University den Lehrstuhl für Physiologie übertragen bekam und 1970 zum Sterling Professor of Physiology ernannt wurde. Unter seiner Führung wurde das Department eine weltweit führende Institution für Nierenphysiologie, ein intellektueller Mittelpunkt und wissenschaftliche Heimstätte für über 75 Forscher, die aus der ganzen Welt als Fellows nach New Haven kamen und ihrerseits nach ihrer Ausbildung bei und der Zeit mit Gerhard Giebisch in Ihren Heimatländern führende Wissenschaftspositionen einnehmen sollten. Seinen Schülern war er immer ein wohlwollender, außergewöhnlicher Mentor und über die Jahre immer freundschaftlich verbunden. Die Aufklärung der physiologischen und molekularen Mechanismen des Elektrolyt- und vor allem des Kaliumtransports entlang des Tubulusapparates haben wir ihm und seinen Mitarbeiter, die er nie müde wurde wertschätzend zu erwähnen, zu verdanken.

Gerhard Giebisch erhielt die bedeutendsten Ehrungen vieler nationaler und internationaler Fachgesellschaften und Universitäten, darunter den Homer W. Smith Award, den John P. Peters Award der Amerikanischen Gesellschaft für Nephrologie, den A.N. Richards Award der International Society of Nephrology oder den Ernst Jung Preis der deutschen Jung Stiftung.

Aufgrund seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Verdienste wurde er als Mitglied in die National Academy of Sciences of the United States, die American Academy of Arts and Sciences und die Österreichische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Neben Ehrendoktoraten vieler Universitäten erhielt er im Jahr 1997 jenes der Universität Wien. Gerhard Giebisch war Präsident der American Society of Nephrology, der Society of General Physiologists, Mitglied des Executive Committee der International Society of Nephrology, Council Member der American Physiological Society sowie am National Institutes of Health. Er ist Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM) und der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN).
Neben mehr als 400 peer-reviewed Publikationen, gehören Standardwerke wie „The Kidney – Physiology and Pathophsiology“ oder „Genetic Diseases of the Kidney“ zu seinem wissenschaftlichen Vermächtnis.

Bei all seinen Verpflichtungen hat er nie seine österreichischen Wurzeln vergessen und verstand über viele Jahre Zeit als Gastprofessor an der Medizinischen Universität Wien im Rahmen von Vorlesungsreihen eine Vielzahl von Studenten und späteren Internisten für „Elektrolyte und die Niere“ zu begeistern.

All diese Eckpunkte seines eindrucksvollen wissenschaftlichen Wirkens, skizzieren dennoch nur einen Teil des Menschen Gerhard Giebisch. Wir schätzen uns glücklich, dass wir auch viele andere Facetten seiner Persönlichkeit kennen lernen durften. Seine Interessen waren weit gestreut. Er liebte die Berge und hier vor allem die Dolomiten. Klassische Musik, Philosophie und Literatur, Wirtschaft, Politik und Reisen gehörten zu seinen weitgestreuten Lieben und Interessen. Auch auf diesen „nicht-renalen“ Gebieten war sein Wissen umfassend.

All seine Freunde erinnern sich an seine außergewöhnliche Ausstrahlung, seine besondere Bescheidenheit und Freundlichkeit, seine hohen moralischen Werte, seine Integrität, seine Großzügigkeit und an seine bedingungslose Freizügigkeit in der Unterstützung anderer.
Anlässlich der Verleihung des John P. Peters Award im Jahr 2006 wurde er als „one of the most beloved figures in the history of nephrology” bezeichnet.

Das wird Gerhard Giebisch für uns alle auch in der Zukunft bleiben.
Wir werden ihm immer ein würdiges Andenken bewahren.

Bruno Watschinger und Rainer Oberbauer
Universitätsklinik für Innere Medizin III
Klinische Abteilung für Nephrologie und Dialyse
Medizinische Universität Wien