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Distance-Learning der Medizinischen Universität Wien anlässlich der COVID-19-Pandemie

Zahlreiche digitale Formate verbinden Studierende und Lehrende und ergänzen klinische Praktika
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(Wien, 17-04-2020) Bedingt durch die COVID-19-Pandemie hat die MedUni Wien große Teile des Unterrichts auf Home-Learning umgestellt. Für den 3. Abschnitt des Curriculums der Humanmedizin mit seinen klinischen Praktika wurde ein fallbasiertes Distance-Learning, unter anderem auch in Form eines Peer-Teaching, ausgebaut. Durch Seminare zur Simulation klinischer Entscheidungen kann das Sammeln von  Erfahrungen für die Versorgung und Behandlung von Patientinnen und Patienten so weit wie unter den gegenwärtigen Bedingungen maximal möglich ersetzt oder ergänzt werden. Auf diese Weise sollen auch die klinischen Lernziele des Sommersemesters 2020 für alle Studierenden bestmöglich erreichbar sein.

Ein engagiertes Team von Lehrenden und Studierenden hat ein Seminarprogramm entwickelt, das über Webinare online und in freier Form wählbar auch terminunabhängig abgewickelt werden kann.

Die Fallbeispiele mit Fragen und Aufgaben werden in einer bunten Mischung aus Seminaren von jeweils 1 bis 2 akademischen Stunden präsentiert und diskutiert: Good-Medical-Morning, Peer-Teaching, Webambulanzen, radiologisches Team-Meeting, allgemeinmedizinische Sprechstunde und Talk aus der Alumni-Club-Lounge, ergänzt durch die unverändert stattfindenden Clinical Rounds, d.h. die Line-Veranstaltung „Interdisziplinäre Fallkonferenzen“. Weitere Formate zu den Themen Neurologie-Konsil, Living Anatomy und ein kompetitives Lösen von Patientenfällen durch Teams in einer Quizshow sind in Vorbereitung.

Ergänzung für Tertiale des Klinisch-Praktischen Jahres
Das fallbasierte, fragengesteuerte und forschungsgeleitete (die „3Fs“), gemeinsam von Studierenden – in Form eines Peer-Teaching – sowie Lehrenden gestaltete Distance-Learning ist ein zu den Tertialen des 5. und 6. Studienjahres ergänzendes Lehr-, Lern- und Prüfungsangebot, derzeit mit dem vorrangigen Ziel, denjenigen KPJ-Studierenden, die während der COVID-19-Pandemie aus verschiedenen Gründen ihre KPJ-Tertiale nicht regulär absolvieren können, eine ergänzende Alternative zu ermöglichen.

Die Fallvignetten werden als Mikro-E-Learning mit jeweils 10-20 Minuten Dauer angeboten, die meist zu zwei bis vier Präsentationen innerhalb einer akademischen Stunde zusammengefasst sind und einerseits als Webinar oder Chat, andererseits von diesem Termin unabhängig aufgezeichnet und nachbearbeitet in einem Moodle-Kurs verfügbar sind.

Das medizindidaktische Design folgt den Prinzipien des kollaborativen, konstruktivistischen, klinischen und kritischen Lernens, fokussiert auf die Betreuung und das Management von PatientInnen.

Klare Lernziele definiert
Übergeordnete Ziele sind das Simulieren praktisch-klinischer Entscheidungen und das kritische Reflektieren professionellen ärztlichen Handelns. Dazu ist eine Liste von Lernzielen zu Symptomen, Syndromen und anderen klinischen Anlassfällen und Kompetenzniveaus definiert.

Medizindidaktische Formate

Neben Webinaren und aufgezeichneten Videos sind ausgewählte Inhalte auch als schriftliche Handouts, als Audio-Podcasts (https://podcasts.meduniwien.ac.at/ ) oder mit der Unterstützung von Simulationspatientinnen und -patienten (SchauspielerInnen) verfügbar.

Good-Medical-Morning
Eine Multiple-Choice-Frage im Stil von USMLE-Step 2-Clinical Knowledge wird präsentiert, die Auflösung findet beim nächsten Termin statt. Es besteht die Möglichkeit, die Frage während des Webinars oder zeitunabhängig im Moodle-Kurs zu beantworten, einen begründeten Therapie/Präventionsvorschlag oder eine Zuweisung zur Diagnostik zu schreiben oder eine ausführliche Fallvorstellung bzw. eine State-of-the-Art-Darstellung zu verfassen.

Rounds (Interdisziplinäre Fallkonferenzen)
Generelles Ziel ist, als Vorbereitung auf das klinisch-praktische Jahr (KPJ), klinische Fertigkeiten, vor allem das Treffen medizinischen Entscheidungen, zu trainieren. Es werden Symptome, Syndrome und andere klinische Anlassfälle vertikal aufbauend auf den Inhalten früher stattfindender thematisch verwandter Curriculumelemente abgehandelt. Das Line-Element besteht aus den Komponenten Grand Rounds (zu Themen der Inneren Medizin, Chirurgie, Dermatologie und den Fächern der Tertiale des 5. Studienjahres), Klinische Diagnosewissenschaften (Diagnostic Rounds) zu Themen aus Fachgebieten der Labormedizin, Radiologie, Nuklearmedizin, Klinischer Pathologie) sowie Interdisziplinäres PatientInnenmanagement (zu Public Health, Ethik in der Medizin, Geriatrie, Gerichtliche Medizin, Medizinrecht, Krankenhaushygiene, Palliativmedizin, Physikalische Medizin, Psychosomatik, Onkologie inklusive Radioonkologie und Allgemeinmedizin).

Web-Ambulanzen
Dabei handelt es sich um Fallvignetten in Quizform mit Selbstauswertung online über einen Moodle-Kurs und vordefinierten Kriterien der Beurteilung ín verschiedenen Formaten (KPJ-Basic, Radio4Students, Random-Topic, Review-Quiz).

Peer-Teaching
Klinische Fallpräsentationen via kommentierter PowerPoint-Datei als Videopräsentation mit: Abhaltungspflicht für Studierende des 5. sowie optional für Studierende des 6. Studienjahres, Abwicklung über die Lernplattform Moodle, Selbst-Assessment via Moodle, 30-minütiger Moodle-Chat mit Falldiskussion auf Peer-Teaching Niveau.

Allgemeinmedizinische Sprechstunde
Typische Szenarien in der allgemeinmedizinischen Praxis werden diskutiert.

Radiologisches Team-Meeting
Zum Trainieren der Interdisziplinären und interprofessionellen Kommunikation wird ein radiologisches Team-Meeting (wie Tumor-Boards o. ä.) simuliert mit einer Fallvorstellung und der darauf basierenden regelhaften Diagnostik mit Vorschlägen zur Therapie und Prävention sowie der Erörterung relevanter Aspekte des professionellen ärztlichen Handelns.

Talk in der Alumni-Club-Lounge der Medizinischen Universität Wien
Viele Aspekte des klinischen Denkens erfordern kritische Reflexion mit Auseinandersetzung der Geistes-, Natur-, Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, soweit sie die Medizin betreffen. In Gesprächsform mit Experten als Gäste der Alumni-Club-Lounge werden Fragen gestellt betreffend die Medical Humanities und hier besonders Medizinische Ethik und Medizingeschichte, Klimaschutzmedizin, Artificial Intelligence, Sozialmedizin und Public Health, Patientensicherheit und Gerichtsmedizin sowie schließlich Gesundheitsökonomie.