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Woche der Wiederbelebung setzt zahlreiche Akzente

Internationaler Tag der Wiederbelebung sowie Welt-Anästhesie-Tag am 16. Oktober
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(Wien, 16-10-2019) Am internationalen Tag der Wiederbelebung sowie Welt-Anästhesie-Tag am 16. Oktober setzt die Stadt Wien gemeinsam mit Puls, dem Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes, einen weiteren Akzent in ihrer Aufklärungsarbeit. Von 21.-26. Oktober wird eine Woche lang mit zahlreichen Aktivitäten wie zum Beispiel Wiederbelebungstrainings, Defi-Übergaben, Aufklärungsarbeit mit Medien-Kooperationspartnern gezeigt, wie wichtig ErsthelferInnen in der Überlebenskette sind: nur Nichtstun ist falsch. Auch die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) appelliert bei Notfällen an ein beherztes Eingreifen der Bevölkerung.






„Unser gemeinsames Ziel ist es, Wien zur HERZsichersten Stadt zu machen“, erklärt Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. „Seit 2013 wurden zahlreiche Projekte initiiert und umgesetzt, um dieses Ziel zu erreichen. Wir haben gemeinsam dem Herztod den Kampf angesagt – denn jedes einzelne Leben zählt.“ Wissenschaftlich begleitet werden die Projekte von der MedUni Wien. „Noch 2010 überlebten nur zehn von hundert Betroffenen einen plötzlichen Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses heute sind es zwanzig von hundert. Darauf wollen wir aufbauen und die Überlebenschancen für Betroffene noch weiter erhöhen.“

Mittlerweile sind in Wien mehr als eintausend öffentliche Defis verfügbar, auf die auch die Rettungsleitstelle im Bedarfsfall zugreifen kann. Alle Amtshäuser in Wien sind mit Defis ausgerüstet und neben den Rettungsorganisationen verfügen auch fast alle Polizei- und Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge sowohl über einen Defi als auch über entsprechend geschultes Personal. „Auch die Lebensretter-App, bei der man sich registrieren lassen kann, um in einem lebensbedrohlichen Notfall in der Nähe aktiv helfen zu können, wurde bereits 5.400 Mal heruntergeladen“, betont Ludwig.

„Wir wollen mit der Woche der Wiederbelebung den Menschen ins Bewusstsein rufen, dass man bei der Wiederbelebung eines Menschen nach plötzlichem Herzstillstand absolut nichts falsch machen kann“, betont Puls-Präsident Harry Kopietz. Die bisher gesetzten Aktivitäten des Vereins gemeinsam mit der Stadt Wien und den Partnern zeigen auch bereits Wirkung: „Von Kindergärten und Schulen angefangen bis hin zu den Seniorinnen und Senioren ist das Interesse an Wiederbelebungsmaßnahmen und im Gebrauch eines Defis riesengroß“, erklärt Kopietz.

„Das Geheimnis der Wiederbelebung ist einfach: es geht um die Zeit, die verstreicht, bis entsprechende Wiederbelebungsmaßnahmen getroffen werden“, erklärt Mario Krammel, Chefarzt der Berufsrettung Wien und geschäftsführender Puls-Präsident. Bei einem Herzstillstand sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um 10 Prozent, nach rund drei Minuten treten im Gehirn bereits erste nicht wiedergutzumachende Schäden auf. „Die Ersthelfer-Maßnahmen sind einfach: gemäß unserem Spruch „Rufen – Drücken – Schocken“ rufen Sie den Rettungsnotruf 144, drücken Sie anschließend schnell und kräftig in die Mitte des Brustkorbes und bringen Sie schnellstmöglich einen der mittlerweile mehr als 1.000 verfügbaren Wiener Defis zum Einsatz.“

"Lieber anpacken statt zuwarten, man kann bei der Ersten Hilfe nichts falsch machen, außer man macht nichts!"
Auch die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) appelliert anlässlich des Welt-Anästhesie-Tags und Welt-Wiederbelebungs-Tag am 16. Oktober an beherztes Eingreifen der Bevölkerung. „Bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde. Die Überlebensrate verdreifacht sich, wenn Laien im Notfall sofort die Reanimation bis zum Eintreffen professionelle Hilfe übernehmen können. Daher unser Appell: Lieber anpacken statt zuwarten, man kann bei der Ersten Hilfe nichts falsch machen, außer man macht nichts!“, sagt ÖGARI-Präsident Klaus Markstaller, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie, Medizinische Universität Wien/AKH Wien.

Nur wenige Minuten ohne Sauerstoff schädigen das Gehirn
Am Welt-Anästhesie-Tag erinnern Anästhesiologinnen und Anästhesiologen in aller Welt an die erste erfolgreiche Äther-Narkose, die am 16. Oktober 1846 von William Thomas Green im Massachusetts General Hospital in Boston durchgeführt wurde. Die Möglichkeit, schmerzlos operieren zu können, hat die gesamte Medizin revolutioniert und erlaubte die Weiterentwicklung der Chirurgie. Aus diesem Anlass wird über die vielfältigen Aktionsfelder der Anästhesie aufgeklärt. „Die Notfallmedizin ist eine sehr wichtige und oft auch als spektakulär wahrgenommene Säule unserer Fachdisziplin. Aber sehr häufig wachen Anästhesistinnen und Anästhesisten völlig unbemerkt im Hintergrund über das Leben der Patientinnen und Patienten. Auch bei Narkosen, in der Intensivstation oder der Schmerz- und Palliativmedizin sind wir die Garanten für eine hohe Patientensicherheit“, so der ÖGARI-Präsident. Seit dem Vorjahr wird der Welt-Anästhesie-Tag zugleich mit dem „World Restart a Heart“-Tag begangen, dem Welttag der Reanimation.

„Wir möchten Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig die Reanimation durch Laien ist“, betont Markstaller. Schon nach drei bis fünf Minuten ohne funktionierende Sauerstoffversorgung setzen beim Gehirn schwerwiegende Schädigungen ein. Ein frühzeitiger Reanimationsbeginn durch Laien und Ersthelfer ist daher entscheidend. Allein in Europa und den USA sterben jährlich rund 700.000 Menschen, weil sie bei einem akuten Herz-Kreislauf-Stillstand nicht rechtzeitig wiederbelebt werden. Wird eine Laienreanimation rechtzeitig gestartet und die Zeit bis zur professionellen Reanimation überbrückt, kann etwa der Hälfte der von einem Herz-Kreislauf-Stillstand Betroffenen ein gutes Überleben ermöglicht werden. Wird auf das Eintreffen des professionellen Rettungsdienstes ohne eigene Hilfsmaßnahmen gewartet, sinkt dieser Prozentsatz auf unter zehn Prozent.

Herzmassage ist wichtiger als Mund-zu-Mund-Beatmung
„Leider trauen sich viele Menschen aus Unsicherheit und Unwissen keine Wiederbelebung zu. Aber die Empfehlungen für die Reanimation durch Laien haben sich in den vergangenen Jahren verändert – und vereinfacht“, erklärt Markstaller. So wird weniger Wert auf die Beatmung gelegt als auf die schnelle und richtige Herzmassage, also die Kompression des Brustkorbes (Thoraxkompression). Da bei einem akuten Kreislaufstillstand das Blut zunächst noch eine ausreiche Sauerstoffsättigung aufweist, ist die Wiederherstellung der Zirkulation des Blutes das primäre Ziel. Deshalb muss nicht sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen werden, vor der Laien aus hygienischen Gründen oft zurückschrecken. Das einfache und sehr wirksame Mittel für die Reanimation ist die Thoraxkompression im unteren Drittel des Brustbeines mit fünf bis sechs Zentimeter Tiefe und in einer Frequenz von 100/Minute.

Defibrillatoren ersetzen Herzdruckmassage nicht
Als positiv bewertet der ÖGARI-Präsident die breite Verfügbarkeit von Defibrillatoren (Automatische Externe Defibrillatoren, AED) im öffentlichen Raum. In Wien sind sie mittlerweile auf breiter Basis installiert – doch die Schockgeräte können unter Umständen auch falsche Sicherheit vermitteln, wie Markstaller erklärt: „Die allerorts präsenten Geräte können vielleicht den Eindruck geben, man müsste bei einem Herzstillstand nur auf die Technik vertrauen. Aber gerade bei ungeübten Personen ist es viel besser, bei einem Notfall sofort mit der Herzdruckmassage zu beginnen statt Zeit mit dem Suchen und Starten eines Geräts zu verlieren, denn Zeit ist Hirn.“ Nach dem Motto „Prüfen, rufen, drücken“ sollte erst Hilfe gerufen und dann durch Herzdruckmassage ein Minimalkreislauf in Gang gebracht und aufrechterhalten werden. Erst dann kommt ein Defibrillator in Spiel. „Wenn genügend Helferinnen und Helfer vor Ort sind und jemand Zeit hat, den Defibrillator zu holen und in Gang zu setzen, dann ist das Gerät eine perfekte Ergänzung. Es ersetzt aber die Basismaßnahmen nicht“, erklärt Markstaller. 

Die ÖGARI engagiert sich für Aufklärung darüber, was im Falle eines Herzstillstands zu tun ist und in welcher Reihenfolge die Notfallmaßnahmen zu ergreifen sind. Dabei soll auch auf Kinder und Jugendliche als wichtige Ersthelfer abgezielt werden. In Deutschland führten etwa Kampagnen im Rahmen der „KIDS SAVE LIVES“-Aktion unter Schülern zwischen acht und zwölf Jahren dazu, dass dort der Anteil der Laienreanimation von unter 20 Prozent auf 42 Prozent (2017) gesteigert werden konnte. Markstaller: „Programme wie diese sollten unbedingt in Schulen angeboten und verstärkt werden.“

Besonders sinnvoll sei es auch, so der ÖGARI-Präsident, gezielt bestimmte Berufsgruppen im Umgang mit Defibrillatoren zu schulen – so geschehen bei der Wiener Polizei, bei der jetzt immer ein Defi mit im Auto ist. „Die Polizei ist im Ernstfall häufig schneller am Ort des Geschehens als der Rettungsdienst, weil sie auf Patrouille ist und viel mehr Einsatzwägen im Dauereinsatz hat“, sagt Markstaller. „Derzeit wird gerade eine große wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt, um die Effekte dieser innovativen Maßnahmen zu bewerten. Es ist jetzt schon ersichtlich, dass dramatisch bessere Ergebnisse bei der Wiederbelebung von Menschen mit akutem Kreislaufstillstand erreicht werden.“

Jeder Mensch kann Leben retten: Richtig Vorgehen mit dem „P-R-D“-Konzept

1. PRÜFEN
•    Vergewissern Sie sich, dass Sie sich ohne Gefahren nähern können.
•    Überprüfen Sie, ob die kollabierte Person antwortet.
•    Neigen Sie den Kopf nach hinten, heben Sie das Kinn und kontrollieren Sie die Atmung.
•    Wenn die Person nicht reagiert und nicht, oder nicht normal atmet, ist eine Herzdruckmassage erforderlich.

2. RUFEN
•    Rufen Sie 144 an und folgen Sie den Anweisungen.
•    Wenn jemand anwesend ist, der helfen kann, bitten Sie ihn 144 anzurufen und wenn möglich einen Defibrillator zu holen.
•    Die Herzdruckmassage ist das Wichtigste für das Überleben. Unterbrechen oder verzögern Sie sie deshalb nicht.

3. DRÜCKEN
•    Legen Sie beide Hände auf die Mitte des Brustkorbes.
•    Drücken Sie 100-120 Mal/min 5 bis max. 6 cm tief z.B. zum Rhythmus des Liedes "Stayin’ Alive".
•    Falls Sie geschult sind, geben Sie immer zwei Atemspenden nach 30 Kompressionen, andernfalls drücken Sie kontinuierlich weiter auf die Brust.
•    Drücken Sie fest und schnell. Keine Sorge, Sie können keinen Schaden anrichten.
•    Wenn ein Defibrillator verfügbar ist, schalten Sie diesen sofort ein und folgen Sie den Anweisungen.
•    Wenn die Rettungskräfte eintreffen, drücken Sie solange weiter bis Sie aufgefordert werden aufzuhören.