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Personalisierte Medizin in der Krebsbehandlung: Start der Forschungskooperation CBmed und Roche Österreich

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Bild: Katharina Schiffl
v.l.n.r.: Thomas Pieber, Barbara Eibinger-Miedl, Johannes Pleiner-Duxneuner, Hellmut Samonigg, Gerhard Hirczi und Markus Müller

CBmed, das K1-Kompetenzzentrum für patientenorientierte Biomarkerforschung in der Medizin, und Roche Österreich starten eine Forschungskooperation. Ziel der Forschungsprojekte ist es, die softwaregestützte Entscheidungsunterstützung für Ärzte in der personalisierten Krebsbehandlung voranzutreiben.

CBmed und Roche Österreich haben heute zu einem Pressegespräch geladen, um ihre gemeinsamen Forschungskooperationen zu präsentieren. Im Zentrum dabei steht die automatisierte Dokumentenanalyse zur Unterstützung der Entscheidungsfindung von Ärzten bei der Krebstherapie sowie zur Erhöhung der Prognosesicherheit bei Diagnosen.

„Mit unseren gemeinsamen Forschungsprojekten Digital Biomarkers und FUSION Technology wollen wir die Entwicklung von spezifischen Anwendungen für eine personalisierte Krebsbehandlung wesentlich voranbringen. Das Projektgesamtvolumen für beide Projekte beträgt 3,55 Millionen Euro“, erläutert Thomas Pieber, wissenschaftlicher Geschäftsführer von CBmed.

Zukunft der Medizin: Personalisierte Krebstherapien
Bis 2030 wird die Zahl an Krebs erkrankter Personen um fast 40 Prozent steigen, damit wird es allein in Österreich voraussichtlich fast eine halbe Million Krebs-Patienten geben. „Die Zukunft der Krebsbehandlung liegt im Gebiet der personalisierten Medizin“, postuliert Johannes Pleiner-Duxneuner, Personalized Healthcare Director Roche Austria. „Gerade in der Onkologie sind wir mit den sogenannten Präzisionstherapien, welche auf die individuellen Mutationen der Patienten abgestimmt sind, schon am weitesten fortgeschritten“, sagt Pleiner-Duxneuner. Künftig werden jedoch noch viel mehr Informationen erfasst und analysiert, um zeitnah zielgerichtete Krebstherapien einleiten zu können. „Individualisierte Krebstherapien, die bei geringstmöglichen Nebenwirkungen den größten Behandlungserfolg bieten, werden in der Behandlung von Krebspatienten zukünftig richtungsweisend sein“, unterstreicht auch Hellmut Samonigg, Rektor der Medizinischen Universität Graz, der in der Onkologie große Chancen für die Biomarkerforschung und die personalisierte Medizin sieht.

Zwei Drittel aller Krankheiten sind nach wie vor nicht oder nur unzureichend behandelbar. Die Menschheit benötigt neue Wege, um Krankheiten besser vorzubeugen, zu erkennen und zu therapieren: „Neue Therapien werden heute nicht mehr arzneimittelzentriert, sondern patientenzentriert und damit maßgeschneidert angewandt und entwickelt“, sagt Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, der in Zusammenarbeit mit der Med Uni Graz im Rahmen von CBmed einen wichtigen Impulsgeber sieht. Dies erfordert eine digitale Transformation des Gesundheitswesens, wie sie in anderen Bereichen ohnehin schon selbstverständlich geworden ist.

Navify zur Unterstützung von Onkologie-Teams
Zentrale Rolle spielt dabei die kürzlich von Roche veröffentlichte „Navify“-Software, die einen zentralen Baustein des Forschungsprojektes darstellt. Konkret handelt es sich bei Navify um eine Software zur Unterstützung von Onkologie-Teams bei der Behandlung von Krebs. Navify führt alle relevanten Daten der unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen zusammen und beschleunigt und verbessert dadurch die Therapieentscheidungen der behandelnden Ärzte. Außerdem wird Navify in Zukunft Vergleichsdaten früherer Behandlungen sowie Studien aus der ganzen Welt verfügbar machen und zur Entscheidungsunterstützung für Ärzte aufbereiten. So können Mediziner künftig ihre Behandlungen mit Erfahrungen in der ganzen Welt vergleichen und absichern. Patienten erhalten damit individuell abgestimmte Therapien, die auf den Erkenntnissen zahlreicher vergleichbarer Fälle beruhen. Dies bringt die Chance auf größere Therapieerfolge.

Die Projektpartner
Konkret handelt es sich um eine wissenschaftliche Kooperation zwischen CBmed und Roche sowie den wissenschaftlichen Partnern Medizinische Universität Graz und Medizinische Universität Wien in zwei geförderten Projekten des COMET-Programms (zweite Förderperiode von 1.1.2019 – 31.12.2022).
„Die Life Sciences sind schon seit Jahrzehnten gemeinsam mit der Informationstechnologie ein Forschungs-, Technologie- und Innovationsschwerpunkt in Wien, womit das COMET Zentrum CBmed hervorragend zum Innovationsstandort Wien passt“, zeigt sich Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien erfreut. Auch die steirische Landesrätin für Wirtschaft, Tourismus, Europa, Wissenschaft und Forschung Barbara Eibinger-Miedl lobt die bundesländerübergreifende Zusammenarbeit. „Die aktuelle Kooperation ist ein gutes Beispiel dafür, welche Chancen sich durch die Digitalisierung für unsere Gesellschaft ergeben. Denn die beiden geplanten Forschungsprojekte werden wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung einer personalisierten Krebsbehandlung liefern und damit die medizinische Versorgung der Menschen in unserem Land verbessern“.



Die Forschungsprojekte im Detail

Ausgangslage
Am 31.07.2019 haben CBmed und Roche Austria Verträge für zwei Forschungsprojekte im Zuge der zweiten COMET-Förderperiode unterschrieben. Der fachliche Grundstein für die inhaltliche Zusammenarbeit wurde bei CBmed bereits in der ersten Förderperiode gelegt. Im strategischen FUSION-Projekt hat CBmed die Analysen verschiedenster Plattformen (Genomanalysen, Metabolomanalysen, immunologische Tests etc.) mittels bioinformatischer Methoden vereint.

Projektziele
Das Ziel der beiden Projekte ist die Entwicklung von spezifischen Anwendungen für eine personalisierte Krebsbehandlung, aufbauend auf digitalen Biomarkern und der FUSION-Technologie, gemeinsam mit der Navify-Software. Dadurch soll die Prognosesicherheit bei der Diagnose durch die Zusammenführung von Biomarkern erhöht werden.

Forschungsprojekt „Digital Biomarkers“
In Krankengeschichten von Patienten gibt es eine Vielzahl von Daten in unterschiedlichster Form und Struktur. So kann etwa die Information über den „Smoking Status“ eines Patienten in zahllosen Varianten verschriftlicht worden sein (Nikotin neg. / negativ / wird negiert; Nieraucher; Ex-Nikotinabusus; Nikotinkarenz usw.). Tippfehler und individuelle Abkürzungen erhöhen die Komplexität weiter (so könnte z.B. DM Diabetes Mellitus oder auch Dezimeter bedeuten). Darüber hinaus finden sich relevante Informationen in vielen unterschiedlichen Quellen wie etwa Stammdaten, klinischen Texten, Arztbriefen, Befunden usw.

Ziel dieses Forschungsprojekts ist eine Weiterentwicklung semantischer Modelle zur Dokumentenanalyse und die Anreicherung von Navify um diese Informationen. Die Tools, wie z.B. natural language processing, sollen aus der unübersehbaren Vielfalt der erfassten Informationen relevante Biomarker destillieren. Dies betrifft nicht nur klassische Biomarker, wie zum Beispiel Blutwerte, sondern auch alle anderen Informationen über den Patienten, wie beispielsweise Lebensgewohnheiten, Ernährung und dergleichen. Die semantischen Tools lesen die Daten aus, codieren, strukturieren und speichern sie.

Forschungsprojekt „FUSION Technology“
Dieses Projekt widmet sich der Fusion, also der Zusammenführung, von Daten aus verschiedenen Labor-Analysetechnologien (Gewebe, Blut, andere Körperflüssigkeiten). Oft sind einzelne Biomarker nicht besonders aussagekräftig. Hingegen ergibt die Zusammenführung und gemeinsame Auswertung von Biomarkern eine viel höhere Relevanz und Prognosesicherheit und erhöht damit die Treffergenauigkeit für die richtige Therapie. Die Erkenntnisse dieses Forschungsprojekts sollen ebenfalls in Navify integriert werden.

Ziel ist es, mit möglichst wenigen „Datenpunkten“, sprich Biomarkern, eine möglichst hohe Prognosesicherheit zu erreichen. Dies sorgt für einen effizienteren Mitteleinsatz, bei dem Patienten dann die richtige, zielgerichtete Therapie erhalten und unwirksamere Therapien vermieden werden können. Roche liefert für dieses Projekt essenzielle, qualitativ hochwertige Analysedaten, wie etwa über Mutationen in Tumorzellen.

Projektvolumina
•    Digital Biomarkers 1,6 Mio. EUR
•    Fusion Technology 1,95 Mio. EUR
•    Summe 3,55 Mio. EUR

Über CBMed
CBmed, ein COMET gefördertes Kompetenzzentrum, verbindet exzellente Forschungsinfrastruktur, wissenschaftliche Kompetenz, medizinisches Fachwissen, nationale und internationale Unternehmen für eine systematische Biomarkerforschung in der Medizin. CBmed vernetzt wissenschaftliche Expertise mit führenden Pharma-, Diagnostik-, medizintechnologischen- und IT-Unternehmen. Zusätzlich ist CBmed mit Biobanken stark vernetzt, unter anderem mit Europas größter Biobank – Biobank Graz und dem Europäischen Biobank Netzwerk BBMRI-ERIC. Die Forschungsprojekte von CBmed werden neue Biomarker identifizieren, Biomarkerkandidaten validieren und translationale Biomarkerforschung für die klinische Anwendung betreiben.

Über Roche in Österreich
Roche zählt in Österreich zu den führenden Anbietern von Arzneimitteln, Produkten der In-vitro-Diagnostik sowie bei Diabetes-Management-Systemen und Services und ist mit rund 400 Mitarbeitenden und drei eigenständigen Gesellschaften in Wien (Vertriebsstandort Pharma, Diagnostics und Diabetes Care) vertreten. Roche ist landesweit klare Nummer eins bei Krebsmedikamenten und im Spitalsbereich, am In-vitro-Diagnostik Gesamtmarkt sowie bei der Diabetesselbstkontrolle. Das Unternehmen feierte 2017 sein 110-jähriges Bestehen in Österreich. Weitere Informationen über Roche Austria finden sich im Internet unter www.roche.at