Skip to main content

nutritionDay: Aktionstag wider Mangelernährung im Spital

Alle News

(Wien, 28-10-2019) Der weltweite „nutritionDay“ wurde vor 13 Jahren vom Anästhesisten Michael Hiesmayr und der Ernährungsexpertin Karin Schindler, beide von MedUni Wien/AKH Wien, ins Leben gerufen. Ziel der Aktion ist es, die Aufmerksamkeit für das unterschätzte Problem der Mangelernährung von PatientInnen in Krankenhäusern, aber auch bei alten Menschen generell, zu erhöhen. Die MedUni Wien bzw. das AKH Wien haben nun zwei Maßnahmen gesetzt, um mehr Awareness zu erreichen: Die MitarbeiterInnen wurden besonders animiert, sich am internationalen nutritionDay-Vergleichsprojekt zu beteiligen, das an der MedUni Wien bzw. dem AKH Wien von Silvia Tarantino geleitet wird. Außerdem gibt es seit dem Wintersemester 2019/2020 ein eigenes Wahlfach „Ernährung und Outcome: nutritionDay“ im Curriculum der MedUni Wien. Der nutritionDay 2019 findet am 7. November statt.

Die Vorgeschichte des nutritionDay ist lang: Bereits 1977 wurde in einer Lancet-Studie Mangelernährung bei chirurgischen PatientInnen festgestellt. Im Jahr 2005 wiederum hat eine britische Studie ergeben, dass sich die Kosten, die durch Mangelernährung jährlich für das englische Gemeinwesen entstehen, auf rund 11 Milliarden Euro belaufen – etwa das Doppelte von jenen, die es durch Fettleibigkeit (Adipositas) gibt.

Aufgrund ihres oftmals höheren Alters und generell schlechteren Gesundheitszustandes haben insbesondere hospitalisierte PatientInnen und PflegeheimbewohnerInnen auf der ganzen Welt ein erhöhtes Risiko, von Mangelernährung betroffen zu sein. Krankheitsbedingte Mangelernährung nimmt bedeutenden Einfluss auf die Dauer des Krankenhausaufenthaltes sowie auf Morbiditäts- und Mortalitätsraten. Studien haben gezeigt, dass etwa rund 30 Prozent der stationär aufgenommenen PatientInnen mangelernährt sind oder von einem Risiko dafür betroffen sind, da sie wegen krankheitsbedingter Appetitlosigkeit unzureichend Nahrung zu sich nehmen.

„Das zeigt die enorme Bedeutung des nutritionDay“, sagt Michael Hiesmayr von der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie. An diesem einen Tag im Jahr wird das gesamte Gesundheitspersonal besonders dazu motiviert, die Ernährungsgepflogenheiten ihrer PatientInnen abzufragen und in eine anonymisierte Datenbank einzutragen. Die ÄrztInnen und Krankenpflegepersonen können ihre jeweilige Abteilung auch anonym auf der Website www.nutritionday.org registrieren – mit Angabe der jeweiligen Fachrichtung, um später eine vergleichende Evaluierung durchführen zu können.

Die auf Fragebögen zum Ernährungsstatus erfassten Daten – Stichtag ist dafür eben der nutritionDay – werden weltweit gesammelt und damit sozusagen ein Ist-Zustand erhoben. Die jeweilige Klinik bzw. Fachrichtung oder Station erhält danach einen umfassenden Ergebnisbericht, in dem die eigenen Informationen jenen der in der gleichen Fachrichtung weltweit erhobenen Daten gegenübergestellt werden. „Dieser ‚Leistungsvergleich‘ ermöglicht es der jeweiligen Abteilung, Verbesserungen in den eigenen Abläufen bei der Kontrolle des Essverhaltens von Betroffenen zu initiieren. Den Patientinnen und Patienten muss erklärt werden, warum essen wichtig ist und wie man ihnen dabei helfen kann“, erklärt Hiesmayr. „Je öfter man teilnimmt, desto besser können Maßnahmen evaluiert und Erfolge sichtbar gemacht werden.“   

Krankenhäuser aus 65 Ländern weltweit – von Kolumbien bis Japan – haben mit über 12.000 PatientInnen bisher teilgenommen, dabei wurden über 263.000 Personendaten erfasst. An der MedUni Wien bzw. im AKH Wien ist man sich der Verantwortung bewusst: Aktionen, um das Gesundheitspersonal zur Teilnahme zu motivieren und sich zu registrieren, laufen. Bisher haben sich 2.800 ÄrztInnen bzw. PflegerInnen angemeldet.