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Ragweed Finder-App der MedUni Wien als „Aktionsplan“ für ganz Österreich

Hilfe für Betroffene, Forschung, Wirtschaft und im Privaten
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(Wien, 25-07-2019) Rund zehn Prozent aller Menschen in Österreich sind von einer Ragweed-Pollenallergie betroffen. Ragweed gilt als stärkstes Allergen und kann bei den Betroffenen zu schweren Komplikationen wie anaphylaktischem Schock, der schwersten Ausprägung einer allergischen Reaktion, oder zu argen Schwellungen von Gliedmaßen führen. Der Österreichische Pollenwarndienst der MedUni Wien hat nun erstmals eine Ragweed Finder-App entwickelt und jetzt online freigeschaltet, die als „Aktionsplan“ wider Ragweed für ganz Österreich verstanden werden kann – sie hilft nicht nur den Betroffenen, sondern auch der Forschung, (Land-)Wirtschaft und Gesellschaft.  

„Es muss erkannt werden, dass Ragweed ein allgemeines Problem darstellt“, sagen Uwe E. Berger und Katharina Bastl vom Pollenwarndienst der MedUni Wien an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten. Die App soll dabei nicht nur Betroffenen helfen, die Blühzeit des Ragweed, die nun im August startet, besser zu überstehen und Kontamination zu vermeiden, sondern auch bei der Entwicklung von Therapien sowie beim Umgang mit der Pflanze in der Landwirtschaft und im privaten Bereich unterstützen – etwa, damit immer mehr Menschen Ragweed überhaupt erkennen und dann melden können.

Rasches Abmähen der Pflanzen hilft
In Kooperation mit allen Landesregierungen wurde ein Aktionsplan entworfen, damit blühende Ragweed-Pflanzen oder bereits heranwachsendes Ambrosia, Fetzenkraut oder beifußblättriges Traubenkraut – so wird Ragweed ebenfalls genannt – rasch abgemäht und vernichtet werden können. Berger erklärt: „Wenn jemand ein Feld meldet oder auch einzelne Pflanzen, dann wird so rasch wie möglich gemäht.“ Einmal zum richtigen Zeitpunkt abgemähte Pflanzen kehren in derselben Saison nicht mehr wieder bzw. kommen nicht zur Blüte – erst ein Jahr später wird es bei der sogenannten einjährigen Pflanze wieder akut. Ragweed wächst stark an von Menschen beeinflussten Orten wie Straßenrändern, Kiesgruben, Schutthalden, Baustellen, Äckern.

Die App soll dazu beitragen, Ragweed besser zu erkennen und zu reduzieren, Hotspots ausfindig zu machen und Symptome an andere Menschen zu melden. Berger: „Je mehr Daten wir haben, desto besser.“ Die Applikation ist aus dem bereits bestehenden Ragweed-Finder des Pollenwarndiensts an der MedUni Wien entstanden und ist mit hunderten Daten gespeist. Zugleich werden die Daten aber auch der Forschung helfen.

Auch hier ist die MedUni Wien führend und innovativ: Die Forschungsgruppe von Sabine Flicker am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung hat es sich zum Ziel gemacht, eine passive Behandlung von Pollenallergien, auch für Ragweedpollen, zu erarbeiten.  Hierzu werden in einem Kooperationsprojekt mit Sergei Tillib von der Russischen Akademie der Wissenschaften Kamele mit Pollenallergenen immunisiert, um anschließend aus dem Kamelblut Antikörper zu gewinnen, die in Form von Nasensprays oder Augentropfen, also lokal, dort wo Pollenallergie stattfindet, verabreicht werden können.

Über Ragweed und die Zahl der Betroffenen in Österreich
Ragweed blüht in Österreich hauptsächlich von August bis September. Durch seine starke Verbreitung in den östlichen Nachbarländern spielt Ferntransport von Ragweedpollen allerdings eine große Rolle und relevante Pollenkonzentrationen können gegebenenfalls bis in den Oktober gemessen werden. Ursprünglich war Ragweed in Nordamerika heimisch und wurde nach Europa, Asien und Australien im eingeschleppt. Die Pflanze beeinträchtigt auch die Landwirtschaft und damit die Ernten – bekannt ist Ambrosia etwa vermehrt in Sonnenblumenfeldern.

Auch in privaten Gärten ist es ratsam, Ragweed zu entfernen. Allerdings, das betonen die ExpertInnen der MedUni Wien, nur durch Menschen, die nachgewiesenermaßen nicht allergisch auf die Pflanze reagieren (und unter Vorsichtsmaßnahmen wie dem Tragen von Handschuhen). Noch ein Hinweis: Ragweed zu kompostieren ist sinnlos, die abgemähten oder ausgerissenen Pflanzen sollten in einem Plastikbeutel verschlossen in den Sondermüll geworfen werden – da sonst eine Weiterverbreitung möglich wäre.

Die Ragweed-AllergikerInnen nach Bundesländern
„Wir gehen von einer abnehmenden Sensibilisierungsrate von den stark betroffenen Regionen im Südosten Österreichs zu den weniger betroffenen Regionen Richtung Westen Österreichs aus“, erklärt Katharina Bastl. Basierend auf den Einwohnerzahlen (Stand 1. Jänner 2019) belaufen sich die Schätzungen des Pollenwarndiensts daher wie folgt:

Wien: 31.309
Niederösterreich: 27.679
Steiermark: 20.510
Oberösterreich: 13.339
Kärnten: 9.255
Burgenland: 4.842
Tirol: 3.396
Salzburg: 2.498
Vorarlberg: 1.774

Daraus ergeben sich insgesamt rund 100.000 Betroffene (einschließlich einer Dunkelziffer) allein in Ostösterreich. Bastl: „Das unterstreicht die große Bedeutung  des Themas Ragweed.  Die Schätzungen der Kosten pro Jahr für unbehandelte RagweedpollenallergikerInnen in Österreich belaufen sich auf 275 Millionen Euro.“

Service: Ragweed Finder-App des Österreichischen Pollenwarndiensts der MedUni Wien