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2020 April - Henrike Arfsten

Dr.in Henrike Arfsten

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, April 2020

Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Frau Dr.in Henrike Arfsten aus Anlass der im Top-Journal „Annals of Internal Medicine“ (IF 19.3) erschienenen Arbeit „Prescription Bias in the Treatment of Chronic Systolic Heart Failure“ (1). Die nationale multizentrische Studie entstand im Rahmen der Wissenschaftlichen Tätigkeit von Frau Dr.in Arfsten an der Universitätsklinik für Innere Medizin II, Abteilung für Kardiologie in der Arbeitsgruppe für Herzinsuffizienz (Leitung: Univ.-Doz. Dr. M. Hülsmann) in Zusammenarbeit  mit ExpertInnen der Arbeitsgruppe für Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG).

Unbewusste Voreingenommenheit - Herzinsuffizienz-Medikamente oft zu gering dosiert

Die Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten Erkrankungen in westlichen Ländern. Zur Behandlung werden unter anderem drei Medikamentengruppen (ACE-Hemmer, Betablocker und Angiotensin-Rezeptorblocker), für die es klare internationale Richtlinien zur Dosierung gibt, eingesetzt (2). Eine korrekte Dosierung ist wichtig, damit die Medikamente ihre beabsichtigte Wirkung erreichen und damit Betroffene eine bestmögliche Lebensqualität gewinnen. Die klinische Beobachtung zeigt jedoch, dass oft aus scheinbar multiplen Gründen, diese wissenschaftlich geprüften Maximaldosierungen nicht erreicht und die Medikamente in zu geringen Dosierungen verschrieben werden (3, 4).

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Studie der Medizinischen Universität Wien (Arbeitsgruppe Herzinsuffizienz; Univ.-Doz. Dr. M. Hülsmann) gemeinsam mit ExpertInnen der Arbeitsgruppe für Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG), die anhand von 3.737 PatientInnendaten, die ambulant verschriebenen Medikamentendosierungen in der chronischen systolischen Herzinsuffizienz (HFrEF) untersuchte.
Während eines Beobachtungszeitraumes von zwölf Monaten erhielt nur ein begrenzter Anteil der PatientInnen mit HFrEF die vorgeschriebenen Dosierungen. Die meisten PatientInnen lagen deutlich unterhalb der anzustrebenden therapeutisch optimalen Dosierung. Innerhalb einer Substanzklasse mit unterschiedlicher numerischer Maximaldosierung zum Erreichen des gleichen Wirkungseffekts (Äquivalenzdosis) zeigte sich dies besonders deutlich. Medikamente mit einer höheren Zieldosis in absoluten Zahlen (zB Betablocker 10mg vs 200mg) wurden in einer deutlich niedrigeren Dosierung verschrieben als empfohlen, während bei Medikamenten mit einer niedrigeren numerischen Zieldosis die Wahrscheinlichkeit, dass die maximale Zieldosis verschrieben wurde deutlich höher war.

Eine kognitive Voreingenommenheit wird als Grund angenommen (5, 6). Eine unbewusste Angst der Verschreibenden MedizinerInnen vor Überdosierung und Angst vor Nebenwirkungen von Medikamenten, trotz evidenzbasierter Medizin, konnte damit erstmalig gezeigt werden. Diese ist besonders ausgeprägt, je höher die Zieldosis eines Medikamentes ist und verhindert die Verabreichung der in Studien als optimal getesteten Medikamentendosierungen.

Die AutorInnen gehen davon aus, dass diese Übervorsichtigkeit kein spezielles Problem der kardiologischen Behandlungen ist, sondern auch in anderen medizinischen Bereichen eine übervorsichtige Dosierung bei Verschreibungen existiert. Weitere Studien, die dieser ‚Befangenheit‘ auch bei anderen Erkrankungen nachspüren, sind wünschenswert.

Wissenschaftliches Umfeld

Frau Dr.in Henrike Arfsten begann ihre wissenschaftliche Tätigkeit bereits während ihres Medizinstudiums in der Arbeitsgruppe für Herzinsuffizienz unter der Leitung von Univ. Doz. Dr. M. Hülsmann an der klinischen Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universität Wien (Leitung: Prof. Dr. C. Hengstenberg).
Der wesentliche Schwerpunkt der Arbeitsgruppe liegt in der Betreuung ambulanter PatientInnen mit fortgeschrittener Herzschwäche. Als national renommierte Einrichtung hat sich die Spezial-Ambulanz ausgezeichnet. Es bestehen u.a. enge Kooperationen mit der Abteilung für Peritonealdialyse (Univ.-Prof. Dr. A. Vychytil) (7), der Ambulanz für Stoffwechselerkrankungen (Univ.-Prof. Dr.in A. Kautzky-Willer) (8) und mit dem Herztransplantations-Team (Univ.-Prof. Dr. A. Zuckermann) der klinischen Abteilung für Herzchirurgie der Medizinischen Universität Wien.
Daraus folgend liegen wissenschaftliche Forschungsschwerpunkte von Frau Dr.in Arfsten in der Risikostratifizierung, der Aufarbeitung pathophysiologischer Prozesse mit Fokus auf echokardiographischer Bildgebung (9) und neurohumoralen Regulationsprozessen (10, 11), sowie dem optimierten therapeutischen Management von PatientInnen mit systolischer Herzinsuffizienz (1).
Die Arbeiten von Dr.in Arfsten wurden bereits in renommierten Fachjournalen publiziert und auf nationalen und internationalen Fachkongressen präsentiert und honoriert.

Zur Person

Dr.in Henrike Arfsten studierte von 2011-2017 Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit dem neurologischen Outcome bei PatientInnen nach präklinischem Herzkreislaufstillstand (OHCA; Betreuung: Priv.-Doz. Dr. C. Adlbrecht, MBA) und arbeitete seit 2014 wissenschaftlich in der Arbeitsgruppe und Ambulanz für Herzinsuffizienz mit (Univ.-Doz. Dr. M. Hülsmann). In dieser Zeit erhielt sie mehrfach Stipendien und verbrachte Auslandsaufenthalte in England (QMC, Nottingham), Irland (University College Dublin; Dublin) und Deutschland (Charité Berlin und Hamburg).
Nach Beendigung des Grundstudiums begann sie ihre wissenschaftliche Arbeit zu intensivieren und ist PhD-Studentin im Bereich „Vascular Biology“. Ihre klinische Ausbildung absolviert Frau Dr.in Arfsten derzeit an der klinischen Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II (Leitung: Prof. Dr. C. Hengstenberg).
Neben ihrer Forschungstätigkeit engagiert sich Dr.in Arfsten auch im Bereich Lehre an der Medizinischen Universität (u.a. Lehr- und Weiterbildungsveranstaltungen, Diplomarbeitsbetreuung) und ist aktives Mitglied der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (Schriftführung AG-Herzinsuffizienz).

Ausgewählte Literatur

    1. Arfsten H, Goliasch G, Pavo N, Ulmer H, Hulsmann M, Stefenelli T. Prescription Bias in the Treatment of Chronic Systolic Heart Failure. Annals of internal medicine. 2019.
    2. Ponikowski P, Voors AA, Anker SD, Bueno H, Cleland JGF, Coats AJS, et al. 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure: The Task Force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure of the European Society of Cardiology (ESC)Developed with the special contribution of the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. European heart journal. 2016;37(27):2129-200.
    3. Greene SJ, Fonarow GC, DeVore AD, Sharma PP, Vaduganathan M, Albert NM, et al. Titration of Medical Therapy for Heart Failure With Reduced Ejection Fraction. Journal of the American College of Cardiology. 2019;73(19):2365-83.
    4. Maggioni AP, Anker SD, Dahlstrom U, Filippatos G, Ponikowski P, Zannad F, et al. Are hospitalized or ambulatory patients with heart failure treated in accordance with European Society of Cardiology guidelines? Evidence from 12,440 patients of the ESC Heart Failure Long-Term Registry. European journal of heart failure. 2013;15(10):1173-84.
    5. Kahneman D, Tversky A. On the psychology of prediction. Psychological Review. 1973;80(4):237-51.
    6. Kahneman D, Tversky A. Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk. Econometrica. 1979;47(2):263-91.
    7. Pavo N, Yarragudi R, Puttinger H, Arfsten H, Strunk G, Bojic A, et al. Parameters associated with therapeutic response using peritoneal dialysis for therapy refractory heart failure and congestive right ventricular dysfunction. PloS one. 2018;13(11):e0206830.
    8. Huelsmann M, Neuhold S, Resl M, Strunk G, Brath H, Francesconi C, et al. PONTIAC (NT-proBNP selected prevention of cardiac events in a population of diabetic patients without a history of cardiac disease): a prospective randomized controlled trial. Journal of the American College of Cardiology. 2013;62(15):1365-72.
    9. Bartko PE, Arfsten H, Heitzinger G, Pavo N, Toma A, Strunk G, et al. A Unifying Concept for the Quantitative Assessment of Secondary Mitral Regurgitation. Journal of the American College of Cardiology. 2019;73(20):2506-17.
    10.  Arfsten H, Bartko PE, Pavo N, Heitzinger G, Mascherbauer J, Hengstenberg C, et al. Phenotyping progression of secondary mitral regurgitation in chronic systolic heart failure. European journal of clinical investigation. 2019;49(11):e13159.
    11.  Pavo N, Gugerell A, Goliasch G, Bartko PE, Arfsten H, Novak JF, et al. Increased granulocyte membrane neprilysin (CD10) expression is associated with better prognosis in heart failure. European journal of heart failure. 2019;21(4):537-9.

      Dr.in Henrike Arfsten

      Dr.in Henrike Arfsten
      Medizinische Universität Wien
      Universitätsklinik für Innere Medizin II
      Klinische Abteilung für Kardiologie
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