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Technische Lösung zur Unterstützung von Demenz-PatientInnen

Kooperationsprojekt MEMENTO unter Mitwirkung der MedUni Wien
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(Wien, 09-03-2020) Im Rahmen des europäischen Projekts MEMENTO wurde u.a. an der MedUni Wien eine technische Lösung entwickelt, die den Umgang mit der Vergesslichkeit im Alltag für Betroffene und deren Angehörige erleichtern kann. MEMENTO ist ein Gemeinschaftsprojekt von acht Partnern in Österreich, Italien und Spanien. „MEMENTO erinnert PatientInnen in frühen Stadien einer kognitiven Verschlechterung an tägliche Ereignisse, Situationen und Orte und hilft ihnen, neue Informationen zu behalten“, erklärt Elisabeth Stögmann von der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien und Leiterin der Demenzambulanz der MedUni Wien/AKH. „Es soll Menschen mit Demenz ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und eine vertraute Umgebung herstellen.“

MEMENTO besteht aus zwei Komponenten, welche einfach zu bedienen und auch eigenständig verwendbar sind. Im digitalen Notizbuch können etwa Termine, Medikamenteneinnahme, Kontakte und Einkaufslisten eingetragen werden es kann auch als Tisch- oder Wandkalender verwendet werden. Es hilft Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder leichter Demenz, indem es das Management der täglichen Aktivitäten auf personalisierte Weise unterstützt.
Eine Smartwatch dient als persönlicher Assistent und begleitet Betroffene in ihrem Alltag. Informationen werden in einer Cloud intelligent aufgearbeitet und dienen so als Erinnerungsstütze. Zusätzlich hilft die Uhr den Betroffenen sich zu orientieren und im Falle von Panik Angehörige zu kontaktieren.
MEMENTO regt BenutzerInnen dazu an, eine regelmäßige Routine einzurichten, die ihnen hilft, sich sicherer zu fühlen und sich an wichtige Termine zu erinnern.

Die technische Umsetzung wurde von Beginn an von potenziellen BenutzerInnen begleitet.
„Nach dem Ansatz „Design für alle“ wollten wir eine hohe Akzeptanzrate bei den Nutzern erzielen, indem wir ein Produkt entwickeln, welches auf bekannten Verhaltensmustern aufbaut“, sagt Stefan Moritsch, Geschäftsführer von bkm und Studiengangsleiter BA Design, Handwerk & materielle Kultur an der NDU St. Pölten. „Unser Design-Research zeigte den Bedarf nach einer Kombination der Vorteile von virtuellen und materiellen Werkzeugen sowie die Integration und Adaption bereits vorhandener Hard- und Softwaresysteme. Der Bezug auf vertraute Organisationssysteme wie ein Notizbuch, Tisch- oder Wandkalender und eine Armbanduhr erhöht die Akzeptanz des Systems bei den zukünftigen NutzerInnen. Diese archetypischen Objekte, die sich im Alltag nicht abheben, stigmatisieren den Nutzer außerdem nicht als Patienten.“

Über 100.000 ÖsterreicherInnen betroffen
Das klinische Syndrom Demenz umfasst eine Gruppe von Krankheitsbildern, bei denen es zu Beeinträchtigungen von kognitiven Funktionen wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung, Auffassungsgabe und Urteilsvermögen kommt. Damit einhergehend kommt es zu Beeinträchtigungen im Alltag, zum Beispiel in der Organisation des Haushalts, der Erledigung von finanziellen Dingen oder das Wahrnehmen von Arztterminen. Diese Symptome werden oft von einer Verschlechterung der Stimmungslage, einer Veränderung des Sozialverhaltens und der Motivation begleitet.

Eine Demenz tritt vor allem im höheren Alter häufig auf und ist aufgrund demografischer Entwicklungen zu einem wichtigen gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Thema geworden.  Derzeit leiden in Österreich etwa 130.000 Personen an einer Form der Demenz, und dieser Anteil wird sich nach Expertenschätzungen bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Die Alzheimer-Krankheit ist mit etwa 60-80% die häufigste Demenzform.

Stögmann: „Die meisten Menschen mit Demenz können sich Momente, die länger zurückliegen, besser ins Gedächtnis rufen, als Ereignisse, die vor kurzem passiert sind. Demnach haben Menschen mit Demenz oft Schwierigkeiten sich zu erinnern, was vor einigen Minuten oder Stunden passiert ist, können sich andererseits aber vergleichsweise gut an ihr Leben erinnern als sie jünger waren. Oft führt diese so entstehende Unsicherheit zum sozialen Rückzug."

Über MEMENTO
Das MEMENTO Team besteht aus interdisziplinären ExpertInnen aus verschiedenen Bereichen: ForscherInnen aus dem Medizinbereich (MedUni Wien, Universitätsklinik in Perugia und eine Pflegeeinrichtung in Spanien) sowie aus der Technologieforschung (AIT Austrian Institute of Technology GmbH) und Designfachleute (bkm design working group). Industrielle Partner (VirtualWare, WeTouch, Integris und Citard Services) im Konsortium konzentrieren sich darauf, dass die entwickelte Lösung auf den Markt gebracht werden kann.

Das Projekt wurde finanziert vom „Active and Assisted Living (AAL)“ Programm, welches Projekte unterstützt, die Informations- und Kommunikationstechnologie entwickeln, um die Lebensqualität von älteren Menschen zu verbessern. Nationale Fördergelder kamen vom benefit Programm der FFG.
 

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